Karthause: St. Beatus

  • Öffnungszeiten und Anschrift

    Finkenherd 15, 56075 Koblenz-Karthause

    Die Pfarrkirche ist leider nur zu den Gottesdienstzeiten geöffnet, sowie eine halbe Stunde davor und danach. Bitte wenden Sie sich an die Pfarrbüros, wenn Sie die Kirche zu anderen Zeiten besuchen möchten.

  • Geschichtliches und Taufbrunnen

    Nach dem zweiten Weltkrieg entstand noch vor dem Wiederaufbau der Innenstadtkirchen die neue Kirche St.Beatus im Stadtteil Karthause durch die Umnutzung eines ehemaligen Pferdestalls des Militärs. Sie wurde am 29. August 1948 durch Prälat Carl Kammer, Trier benediziert. Als Kirchenpatron wählte man den heiligen Beatus, der über Jahrhunderte im 1802 aufgelösten Karthäuserkloster (das an der Stelle des Fort Konstantin stand) verehrt wurde. So steht die Kirche in der Tradition der Karthause und hält die Erinnerung an den Heiligen wach, nach dem der Höhenzug des Siedlungsgebietes der Karthause über Jahrhunderte Beatusberg genannt wurde. 

    Neben anderen Ausstattungsstücken, darunter der Schrein mit den Reliquien des heiligen Beatus, und einem  barocken Kelch aus Liebfrauen, wurde der Gemeinde im Jahr 1950 vom Land ein Taufstein als Leihgabe überlassen. Dieser stammte aus der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Karmeliterkirche in der Altstadt, die seit der Mitte des 19. Jahrhundert als Katholische Garnisonskirche diente. Der achteckige Taufbrunnen könnte nach einem Entwurf des bedeutenden Koblenzer Architekten Johann Claudius von Lassaulx (1781-1848) entstanden sein (vgl. Taufbrunnen in Vallendar, Metternich, Weißenturm, ehemals in Liebfrauen Koblenz). Dieser war bisher als ungenützter Blumenkübel neben dem Eingang der Kirche zum Finkenherd aufgestellt. Der dazugehörige Sockel stand im Pfarrhausgarten. Die Bedeutung des Objektes und das Fehlen des Taufortes in der Pfarrkirche St. Beatus legten es nahe, den Taufbrunnen angemessen aufzustellen und wieder bei Taufgottesdiensten zu nutzen. Der Taufbrunnen wurde im Bereich des Eingangs der Kirche platziert um die Eintretenden an die Taufe zu erinnern.

    Die achtseitige kelchförmige Taufschale mit konkaven Seiten ruht auf einem ebensolchen Fuß, der aus dem Quadrat emporwächst. Höhe ca. 102 cm, Dm ebenso ca. 102 cm. Unter dem Brunnen wurde aus verschiedenen Marmorsorten  ein sogenannter Spiegel angelegt, der den Taufort betont. Darüber wurde ein  mit Messingtafeln beschlagenes Kreuz der angebracht. Das Kreuz mit zwei künstlerisch gestalteten Seiten (Tod und Auferstehung Jesu) verweist auf das Sakrament der Taufe. Ein passender Osterleuchter aus gleicher Zeit mit kreuzförmigem Fuß steht neben dem Taufbrunnen. Diese beiden Ausstattungs-stücke aus den 1950er Jahren wurden der Kirche als Geschenk überlassen.

    Der historische Taufbrunnen wurde durch den Steinrestaurator Olaf Pung aus Thür instandgesetzt und Ende Oktober 2014 in der Kirche aufgestellt. Ehrenamtliche aus der Gemeinde haben die Vorbereitungen für diese Maßnahme getroffen (Entfernen der Bänke, Aufheben des Holzbodens, Anbringen der Beleuchtung, Anstrich).

    Die Kosten für die Restaurierung des Taufbrunnens inklusive Spiegel beliefen sich auf rund  4200 €, die durch den Zuschuß des Bistums, eine großzügige Spende der Sparkasse Koblenz und zahlreiche Einzel-Spenden zum großen Teil finanziert wurden.                                                                                                                                                                                                                                             Karl Heinz Schommer

  • Krippe

    Christof Kaul und Pfarrer Karl Heinz Schommer haben vor Weihnachten 2014 eine neue Architektur für die Krippe passend zu den vorhandenen Krippenfiguren der 1930er Jahre entworfen und in der Kirche St. Beatus, Koblenz-Karthause aufgebaut. Christof Kaul hat dankenswerterweise die Kulisse in seiner Werkstatt gebaut. 

    Die Geschichte der Kirche St. Beatus selbst, die vor ihrer Umwidmung zur Kirche ein Stall für Pferde des Militärs war, erinnert an die arme Zeit der Nachkiegsjahre in der in bescheidenen Verhältnissen eine Kirche eingerichtet wurde. Auch das biblische Geschehen der Geburt Jesu in Armut, in einem Stall auf den Feldern bei Bethlehem ist hineinge-nommen in die Geschichte des Ortes. Die Krippe als Geburtsort Jesu ist dort lokalisiert wo die Tiere ihren Platz hatten,..weil in der Herberge kein Platz war. Alte Fotos vom Inneren der Kirche lassen noch die Futtertröge an den Seitenwänden der Kirche erkennen. In der Krippentradition wird der Geburtsort oft in die Umgebung der Menschen lokalisiert, etwa in Architekturen, die einen Bezug zum Ort haben. Auf der Krippe in St. Beatus könnten die rückwärtigen aus behauenen Steinen geschichteten Wände des Krippenstalls Teile der geschleiften Festungsmauern sein, in denen Jesus in unsere Welt hinein geboren wurde. Drum herum spielt sich das alltägliche Leben von Mensch und Tier ab. Barocke Krippen bestanden oft aus sehr vielen Figuren die das biblische Geschehen darstellten und auch das alltägliche Leben in das Ereignis hineinnahmen, etwa Metzger, Bäcker, Händler, Bettler, Musikanten, aber auch vornehme Bürgersleute,  Adelige und Könige und ihr ganzes Gefolge.
    (Beispiele dieser Zeit aus Bayern und aus Neapel finden sich in großer Zahl im  Bayrischen Nationalmuseum, München) Die Kirchenkrippen des Historismus vom Ende des 19. oder Anfang des 20.Jh die noch in großer Zahl vorhanden sind, wurden als großfigurige Krippen geschaffen. (Beispiele sind in zahlreichen Kirchen des Koblenzer Raumes zu sehen, etwa in Lay, St. Martinus, St. Kastor) Wandbilder mit orientalischen Landschaften und Architekturen, die als Kulisse dienten sind oft verloren gegangen. Die Krippen aus den 1920er und 1930er Jahren nehmen oft nach ihren barocken Vorbildern Bezug zum Ort. In dieser Zeit wurden oftmals Kulissen mit Fachwerk, Strohdächern und anderen Elementen historischer Gebäude der Region hineinkomponiert. (Beispiel in Moselweiß, St. Laurentius, Altstadt, Liebfrauen) Die Krippe von St. Beatus dürfte auch in dieser Zeit entstanden sein und wurde wahrscheinlich schon vor der Nutzung in St. Beatus an anderem Ort aufgestellt. Die Terrkottafiguren in St. Beatus stammen aus der Werkstatt für sakrale Kunst von Emil Göbel aus Drolshagen, einzelne sind mit der Firmenmarke EGD bezeichnet. Die Krippe besteht aus den Figuren Maria und Josef, dem in der Krippe liegenden Kind, den Tieren im Stall, Ochs und Esel und den Schafen. Ein alter Hirte der einen Jungen umarmt, einen Hirten mittleren Alters, der ein Lamm in den Armen trägt, ein junger Flöte spielender Hirte und den Engel über der Krippe, der auf das Geschehen hinweist und zwei kleine anbetende Engel. Schließlich die Gruppe der Weisen aus dem Morgenland, die drei Könige, und einen Begleiter, der das Kamel führt. Sowohl die Hirten als auch die Könige sind in verschiedenen Lebensaltern und bei den Königen aus verschiedenen Ethnien kommend dargestellt. Das soll bedeuten, daß alle Generationen, alle Völker zur Anbetung des Retters Jesus Christus gerufen sind.
    Solche Krippenfiguren wurden in Serien gefertigt und für den kirchlichen Markt produziert. Schon um 1900 wurden für den boomenden Kirchenbau viele Serien von hochwertigen  Krippen produziert. Oft waren es Terrakottafiguren, Gipse, vereinzelt geschnitzte Krippen oder auch Gliederfiguren mit Wachs- oder Holzgliedern und -Köpfen. Entsprechende Bilder oder Architekturen bildeten den Hintergrund für die Krippenszenen.

    In den 1950er und 1960er Jahren kamen in viele Kirchen (die zerstört worden waren oder neu errichtet worden sind) neue Krippen, oft als angekleidete Gliederfiguren oder als geschnitzte oder in Holzimitat gefertigte Serien-krippen hinzu. (Beispiele in Goldgrube St. Franziskus, Karthause St. Hedwig)

    Entscheidend für den Aufbau der Krippen ist es den künstlerischen Ideen der Schöpfer zu folgen, keine Figuren anderer (oft schlechterer) Qualität und anderer Maßstäbe hinzuzufügen und entsprechende Kulissen zu gestalten. 

    Christof Kaul aus der Gemeinde St.Beatus hat in den Wochen vor Weihnachten einen neuen Stall  (aus vorhandenen Teilen) geschaffen, der den Proportionen der Statuen entspricht und das Regionale besonders zum Ausdruck bringt. Ein offener Unterstand mit Fachwerkgiebel und Strohdach, der an einer gequaderten Wand mit Rundbogenöffnungen angelehnt ist dient als Stall (das Quadermauerwerk läßt einen an Teile der Feste Alexander denken).

    Das biblische Geschehen mit der Geburt Jesu, der Anbetung der Hirten und dem Besuch der Weisen aus dem Morgenland ist in diese Kulisse hineingesetzt, die den Stall von Bethlehem darstellt.                                                                                                    Karl Heinz Schommer